Mehrsprachigkeit

Mehrsprachige Arbeitsanweisungen für internationale Belegschaften

In der Schweißtechnik haben 60 % der Beschäftigten einen Migrationshintergrund, im Automobilbau 32 %, im Wirtschaftsdurchschnitt 26 % (Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2024). Wer in dieser Realität eine deutsche Word-Datei „als Referenz“ in die Halle stellt, produziert nicht Klarheit, sondern Rückfragen, Nacharbeit und im schlechtesten Fall Sicherheitsvorfälle. Eine mehrsprachige Arbeitsanweisung ist deshalb kein Goodwill gegenüber der Belegschaft, sondern eine betriebliche Notwendigkeit — und sie scheitert in der Praxis selten am Übersetzen, sondern am Synchronhalten der Sprachfassungen.

Was das Gesetz verlangt — und was daraus nicht folgt

Unterweisen muss der Arbeitgeber so, dass die Beschäftigten es verstehen: § 12 ArbSchG verlangt eine ausreichende und angemessene Unterweisung, § 14 GefStoffV für den Umgang mit Gefahrstoffen eine Betriebsanweisung „in einer für die Beschäftigten verständlichen Form und Sprache“. Was daraus ausdrücklich nicht folgt, ist ein Anspruch auf die Muttersprache: TRGS 555 Nr. 3.1 Abs. 8 sagt wörtlich, eine Fassung in der Muttersprache ergebe sich daraus nicht zwangsläufig. Maßstab ist das tatsächliche Verstehen, nicht die Herkunft.

Praktisch heißt das: Die Sprache, in der die Anleitung vorliegt, entscheidet mit darüber, ob dem Arbeitgeber die Unterweisung gelingt — sie nimmt ihm die Pflicht aber nicht ab. Der Nutzen, der sich zuerst zeigt, ist ohnehin ein anderer: kürzere Einarbeitung, weniger Nacharbeit, weniger Situationen, in denen jemand einen Schritt anders versteht, als er gemeint war.

Was Mehrsprachigkeit in der Realität bedeutet

Die Theorie ist einfach: Die Anleitung wird übersetzt, jede:r liest sie in der Muttersprache. Die Praxis ist eine Versionspflege-Hölle. Fünf bis dreißig Sprachversionen manuell zu pflegen heißt: Bei jeder inhaltlichen Änderung muss fünf- bis dreißigmal nachgezogen werden. Übersetzungsbüros sind teuer, langsam und arbeiten in Zyklen — bis die letzte Sprache zurück ist, ist die deutsche Master-Anleitung schon wieder verändert. Das Resultat in den meisten Werken ist immer dasselbe: Ein Großteil der ausgespielten Übersetzungen ist obsolet, sobald sie verteilt sind. Werker:innen merken das, vertrauen den Anleitungen weniger, weichen auf Kolleg:innen aus — und die Konsistenz, die der Sinn der Unterweisung war, bricht weg.

Wie Montavis Mehrsprachigkeit löst

Der Werker filmt den Vorgang einmal mit den Kameras aus dem Starter Kit und lädt das Material verschlüsselt aus der App hoch. Zurück kommt die fertige, in Schritte gegliederte Anleitung — je Schritt ein Bild und eine Textbeschreibung. Diese Beschreibungen liegen in 24 Sprachen vor, ohne Aufpreis je Sprache und ohne Wartezeit; Sie schreiben dabei keinen Satz selbst, beauftragen kein Übersetzungsbüro und koordinieren keine Rückläufe.

Ausgeliefert wird die Anleitung in die App auf Tablet, Handy oder Werkstatt-PC, wo sie auch ohne Netz funktioniert; ein PDF-Export je Sprache gehört dazu. Personen im Bild können unkenntlich gemacht werden, wahlweise nur das Gesicht oder vollständig.

Was es heißt, wenn alle Sprachen auf einem Stand bleiben

Hier liegt der operative Unterschied zu jedem klassischen Übersetzungsworkflow. Wenn Sie die Anleitung im Editor ändern — einen Schritt umstellen, einen Sicherheitshinweis ergänzen, ein Drehmoment korrigieren —, aktualisieren sich alle Sprachfassungen mit. Keine Fünf-Wochen-Sprints, keine Excel-Liste mit dem Status je Sprache, keine Frage in der Schicht, welche Fassung gerade gilt. Original und Übersetzungen bleiben auf einem Stand, weil sie nicht nebeneinander gepflegt, sondern aus einer Quelle abgeleitet werden. Das ist der Unterschied zwischen „wir haben eine türkische Anleitung“ und „wir haben in jeder Sprache die aktuelle Anleitung“.

Sprache umstellen — der Schritt bleibt derselbe

Ein Beispiel zum Bedienen. Der Vorgang wurde einmal gefilmt; Schrittbilder, Beschreibungen und alle Sprachfassungen stammen von Montavis. Wechseln Sie die Sprache — dieselbe Anweisung, dieselbe Stelle, dieselben Bilder. Das ist der Unterschied zu einem zweiten Dokument, das irgendwann veraltet.

Warum es Text ist und keine Tonspur

Eine naheliegende Erwartung an eine Videoanleitung ist gesprochene Sprache — und genau die ist in der Fertigung die schlechtere Lösung. Der Ton der Aufnahme wird beim Hochladen entfernt: Die Anleitung hat keine Tonspur, und damit stellt sich auch die Frage nicht, was mit mitgeschnittenen Gesprächen Umstehender geschieht. Was jeder Schritt stattdessen trägt, ist eine Textbeschreibung.

Das ist kein Verzicht, sondern das robustere Artefakt. Text ist lesbar, wo die Halle laut ist und Lautsprecher nichts nützen. Er ist druckbar, durchsuchbar und übersetzbar — eine Tonspur ist nichts davon, und jede Korrektur an ihr hieße neu einsprechen, je Sprache. Und er entkoppelt Inhalt und Aufnahme: Eine Textkorrektur macht das Video nicht ungültig, und eine weitere Sprache entsteht ohne neue Aufnahme.

Mehrsprachigkeit und der Fachkräftemangel

Der Druck, internationale Belegschaften schnell produktiv einzubinden, wächst mit jeder Stelle, die sich nicht besetzen lässt — die Fachkräftelücke lag im März 2026 bei rund 357.000 Stellen, für die es keine passend qualifizierten Arbeitslosen gab (IW Köln / KOFA). Wer eine polnische, rumänische oder ukrainische Fachkraft anlernt, kann sich die Reibung der ersten Wochen sparen: Die Anleitung läuft in einer Sprache mit, die verstanden wird, die Einarbeitung wird kürzer, die ersten Fehler werden weniger. Eine Führungskraft oder eine Einweisung ersetzt das nicht — es befähigt Mitarbeitende, vom ersten Tag an mit derselben Informationsbasis zu arbeiten wie ihre deutschsprachigen Kolleg:innen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zu mehrsprachigen Arbeitsanweisungen

Antworten auf die Fragen, die in internationalen Belegschaften und im Audit regelmäßig auftauchen.

Wie viele Sprachen sind enthalten, und was kostet eine weitere?
24 Sprachen, alle im Lieferumfang, ohne Aufpreis je Sprache. Es gibt also keine Basissprachen und keine Sprachen „auf Anfrage“ — Polnisch, Türkisch, Ukrainisch und die übrigen sind dabei. Eine Abgrenzung gehört dazu: Übersetzt wird die Anleitung. Die Bedienoberfläche der App gibt es in weniger Sprachen; wer eine Anleitung auf Griechisch liest, liest griechischen Text in einer Oberfläche, die möglicherweise englisch beschriftet ist.
Wie lange dauert es, bis eine weitere Sprache verfügbar ist?
Sie ist es bereits. Die Übersetzung läuft automatisch und ohne Wartezeit, für alle Sprachen gleichzeitig — es gibt keinen Vorlauf je Sprache und keinen Auftrag, den jemand auslösen müsste.
Wie genau sind die automatischen Übersetzungen — sind sie audit-tauglich?
Die Basis-Übersetzung wird automatisiert erstellt und bei Bedarf durch eine Korrekturschleife verfeinert. Für sicherheitskritische Inhalte empfehlen wir die Freigabe durch eine sprachkompetente Person im Unternehmen — diese Freigabe wird im Audit-Trail dokumentiert. Damit bleibt die fachliche Verantwortung dort, wo sie hingehört.
Bleiben alle Sprachfassungen auf einem Stand, wenn ich die Anleitung später ändere?
Ja. Wenn Sie die Anleitung im Editor ändern, aktualisieren sich alle Sprachfassungen mit. Keine manuellen Nachübersetzungen, keine veralteten Fassungen in der Halle, keine parallelen Versionsstände.
Hilft das bei § 12 ArbSchG und § 14 GefStoffV?
Es hilft an genau einer Stelle: Beide Vorschriften stellen darauf ab, dass die Beschäftigten verstehen, was sie tun sollen — und eine Anleitung in einer Sprache, die verstanden wird, ist der Weg dorthin. Ein Anspruch auf die Muttersprache folgt daraus nicht, und die Pflicht zur Unterweisung bleibt beim Arbeitgeber. Was Montavis liefert, sind die Artefakte, mit denen Sie sie erfüllen und nachvollziehbar machen: die Anleitung in der passenden Sprache, den Freigabestand und den Nachweis, welche Fassung wann galt.
Wie funktioniert das in lauten Hallen ohne Lautsprecher?
Genau dafür ist die Textbeschreibung je Schritt gebaut. Sie steht neben dem Bild und wird gelesen, nicht gehört — Lärm spielt keine Rolle, ein Lautsprecher wird nicht gebraucht, und niemand muss sich Kopfhörer aufsetzen, während er arbeitet.
Wie funktioniert die mehrsprachige Auslieferung am Tablet?
Der Werker wählt seine Sprache einmal aus, die Auswahl bleibt gespeichert. Verbreitet ist die Kombination aus zwei Sprachen — der eigenen und Deutsch: Gelesen wird auf Deutsch, und wo etwas unklar bleibt, wechselt man per Knopfdruck in die andere Sprache. So baut sich die Fachsprache nebenher auf, statt zur Voraussetzung zu werden. Der Wechsel geht mit zwei Klicks, auch wenn ein Kollege mitliest.

Sollen Ihre Arbeitsanweisungen mehrsprachig und synchron werden, ohne Übersetzungsbüro?

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